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Teil II - Lügen

Es war Anfang Mai und einer der besten Abende überhaupt. Es fing an in einem versifften Proberaum in Oberhausen-Sterkrade. Ich saß eigentlich nur rum und erfreute mich am Alkohol, während die anderen machten, was Musiker in 'nem Proberaum halt so machen. Außer Dominik, der machte, was ein Schlagzeuger in 'nem Proberaum halt so macht. Das ganze war wirklich alternativ und verdammt ausgelassen. Es ging uns eigentlich einfach gut an diesem Tag im Mai.

Irgendwo ganz woanders war meine Freundin. Die ich keine Frage wirklich gern hatte, die aber an dem Abend nur selten in meinem Kopf auftauchte. Sie war schon ein echt tolles Mädchen, sie sah gut aus, sie war auch echt nett, konnte sogar lustig sein. Der Haken war nur, dass wir einfach nie miteinander geredet haben. Ich war letztlich fast fünf Monate mit ihr zusammen und muss gestehen dass ich im Prinzip nichts über sie weiß, außer das sie groß ist, dunkle Haare hat und aus Litauen stammt. Aber an diesem Tag im Mai wir waren zusammen und ich redete mir ein, dass das alles schon gut werden würde.

Vom Proberaum aus sind wir dann irgendwann heiter ins Saint gezogen. Das Saint liegt in der ungefähr abgewracktesten Gegend des ganzen Ruhrgebiets, direkt neben der definitiv abgewracktesten Disko des ganzen Ruhrgebiets. Ich könnte hier bestimmt seitenweise nur über diesen Laden schreiben, aber ich beschränke es darauf, dass es wohl der place to be war an diesem Abend, jedenfalls wenn mit so Freaks unterwegs war wie ich. Aber es war gut. Es war wirklich ein verdammt guter Abend.

In einem bestimmten Moment an diesem Abend hab ich es dann verpasst ein bestimmtes, sehr ansprechendes Mädchen mit (sichtbaren) schwedischen Wurzeln darauf hinzuweisen, dass ich eigentlich vergeben war. Dummerweise ergab sich auch kein weiterer solcher Moment dann auch nicht wieder. Darüber hinaus mislang mein Versuch, wenigstens abweisend zu wirken auch völlig. Ich ging also an diesem Abend mit der Telefonnummer dieser wirklich attraktiven Halbschwedin nach Hause. Ich fühlte mich wirklich schlecht dabei.

Zwei Wochen später musste ich mich leider sehr unangenehm mit meiner Freundin streiten. Ich hab nicht mal mehr die leiseste Ahnung, worum es eigentlich ging. Nur das es im ICQ war und für mich Grund genug, endlich Schluss zu machen. Ich nahm mir das also für das nächste Mal, das wir uns sehen würden vor. Euphorisiert von meiner Entscheidung erinnerte ich mich an die Halbschwedin.

Lustigerweise war sie weder von der Tatsache irritiert, dass ich zwei Wochen brauchte um mich bei ihr zu melden, noch davon dass ich vergessen hatte, das mit meiner Freundin zu erwähnen. Wir verstanden uns prächtig. Sie verkörperte exakt alles, was meien Freundin nicht war. Sie war positiv verrückt, unhöflich, dreist und bezeiten echt eklig. Das wir nächteweise durchtelefonierten hielt ich für ein gutes Zeichen. 
Dummerweise verpasste ich es gleichzeitig irgendwie, meinen Entschluss bezüglich meiner Freundin in die Tat umzusetzen und die Dinge wurden kompliziert.

Erstmal lief das ganze eine Weile parallel und ich klopfte mir auf die Schulter, dafür dass ich im Begriff war, zwei Freundinnen gleichzeitig zu haben. Meine Ego nahm wirklich beängstigende Größen an. Aber dann errang mein schlechtes Gewissen einen Zwischensieg und ich rang mich dazu durch, mich zu entscheiden. Ich trennte mich endlich - und wie ich dachte endgültig - von meiner Freundin und widmete mich ganz der verrückten Schwedin.

Die verrückte Schwedin machte dann allerdings etwas, das ich als ziemlich blöd empfand. Ich war in der Geschichte nämlich anscheinend nicht der einzige, der gewisse Entscheidungsschwierigkeiten hatte. So erfuhr ich dann eines Abends von der (noch viel verrückteren) besten Freundin von einem gewissen Arschloch, dass in den Genuss der oralen Talente meiner angedachten zukünftigen Freundin gekommen war. Ich war darüber ziemlich angepisst und wandte mich einstweilen der besagten besten Freundin zu. Auf die Art konnte ich einerseits endlich herausfinden, ob Zungenpiercings beim Küssen stören und andererseits der Schwedin retour ans Bein pissen.

Ich fühlte mich ziemlich gut danach. Auch noch nachdem ich von ihr recht ausgefallen dafür beschimpft worden war (und ich sie für die Sache mit dem Arschloch beschimpft hatte). Und erst recht fühlte ich mich gut, als ich es dann auch noch schaffte, mit meiner Exfreundin wieder zusammen zu kommen. In diesem Moment war also alles wieder auf Anfang, als hätte es dieses ganze Skandivanierin-Intermezzo garnicht gegeben.

Allerdings hatte es mir diese Skandinavierin mehr angetan, als ich zugeben wollte. Das ich jetzt eigentlich (wieder) vergeben war hielt mich erneut nicht davon mich mit ihr zu treffen. Es war ein wirklich tolles Treffen, an dessen Ende ein wirklich toller Kuss stand und in dessen Verlauf wir meine Komplette Heimatstatt abliefen. Wir vergaben uns unsere Eskapaden und versprachen uns gegenseitig, dass wir uns zukünftig aufeinander konzentrieren und uns von anderen... Leuten... fernhalten würden. Soweit ich weiß, hat sie sich sogar daran gehalten.

Ich hielt mich nicht daran. Ich kam mir so unheimlich toll dabei vor, zwei Beziehungen gleichzeitig zu führen.

Ich redete mir ein, dass es den Beiden ja nicht schade, solange sie es nicht wüssten. Das war sogar im Prinzip richtig, aber meine Fehlleistung ging viel tiefer. Sie zu belügen und Dinge vorzuspielen war eine Sache, aber auf meinem Egotrip behandelte ich sie wirklich abartig und schaffte es sogar, nichtmal zu bemerken, wie sehr ich sie verletzte und demütigte.

Der (zumeist verdrängte) Teil meines Bewusstseins, der sich noch so etwas wie Anstand und moralische Grundsätze bewahrt hatte, wusste, dass das ganze irgendwann auffliegen musste. Und dieser Teil von mir freute sich darauf, denn ich hätte Reaktion, die dann gefolgt wäre, absolut verdient gehabt (und mehr).

Lächerlicherweise ist es nie aufgeflogen und ich bin mit der Sache einfach davon gekommen.
10.2.09 03:08
 


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