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Teil IV - S-Bahn

Ich hatte es endlich durchgezogen, die Zeit der zwei Freundinnen war vorbei. No more secrets no more lies . Aber obwohl ich jetzt endlich frei war, fühlte es sich nicht so an. Es war paradox, wochenlang schaute ich jedem Mädchen nach obwohl ich in zwei festen Beziehungen war und jetzt… jetzt interessierte mich nur noch eine.

Dieses Mädchen, ausgerechnet aus Düsseldorf (nicht direkt, aber so gut wie) hatte es mir echt angetan. Ich kann heute nicht einmal mehr genau sagen warum eigentlich. Klar, sie sah echt gut aus und ich hab selten jemanden getroffen der so… leidenschaftlich war, aber eigentlich hatten wir wenig gemeinsam. Außerdem hat sie mir nie zugehört, aber ich hing an ihren Lippen.

Wir haben uns meist bei ihr getroffen und dann alles gemacht, was man so macht, wenn man zusammen ist. Nur das wir eben nicht zusammen waren. Was wir genau waren, wussten wir beide nicht. Es war jedenfalls klar, dass sie keine Beziehung wollte, aber auch nicht nur Sex. Also waren wir letztlich so etwas wie ’friends with benefits’.

Ich hab das ganze erstmal sehr genossen. Ich wollte zwar mehr, aber das behielt ich lieber für mich, schließlich wollte ich das, was ich hatte nicht aufgeben. Zumal der Sex echt gut war. Es war schon bizarr das ganze. Wir waren irgendwann zusammen auf einem Geburtstag und dort viel Zeit damit verbracht, Leute darüber aufzuklären, dass man nicht zusammen sein muss um rumzumachen.

Ich hab mich aufgeführt wie ein liebestoller 13-Jähriger, am Telefon gewartet, ihre Nummer gewählt und nicht angerufen, Briefe (ja, okay, ICQ-Messages) geschrieben und nicht abgeschickt, all solche Sachen. Natürlich wusste ich, dass ich es ihr irgendwann würde sagen müssen. Ich wusste auch, dass das Ganze dann vorbei sein würde. Aber trotzdem bewahrte ich mir meine Hoffnung, denn die stirbt ja bekanntlich zuletzt.

In jedem Fall hat mich das ganze so abgelenkt, dass ich kaum mehr an die Zeit davor dachte. Vor allem eine meiner beiden (Ex-)Freundinnen unternahm zwar noch versuche, wieder mit mir zusammen zu kommen, aber das alles interessierte mich wenig. Vor allem kam ich auch nie wirklich auf die Idee, über mein eigenes Verhalten zu reflektieren. Aber das sollte noch kommen.

Erst einmal zog ich endlich um. Ich mag das Ruhrgebiet, wie man das Ruhrgebiet nur mögen kann, wenn man dort geboren ist, aber ich liebe Köln. Es wurde ohnehin Zeit für einen Neuanfang und was kann da besser sein, als eine neue Stadt? Die neue Stadt hielt (und hält) auch alles was sie versprach, das Problem, das ich hatte kam ja schließlich aus Düsseldorf.

Ich werde nie vergessen, wie ich in der S-Bahn saß, auf dem Weg nach Hause. Die S6 von Düsseldorf nach Köln. Wir waren zusammen feiern gewesen, meine Angebetete, ein paar Freunde und ich. Ich hatte mich verdammt komisch aufgeführt an dem Abend. Ich war beleidigt, weil sie nicht mit mir tanzte, und rastete völlig aus, ging sogar auf meinen besten Freund los. Irgendwann hab ich ihr dann melodramatisch meine Liebe gestanden. Sie war ganz nett, aber das ist mir in dem Moment nicht so aufgefallen, ich war zu betrunken.

Ich bin direkt danach heulend aus dem Laden. Auf dem Weg zum Bahnhof lief ich dann erstmal über ne rote Ampel und direkt – kein Witz – gegen einen Streifenwagen, der da gerade lang fuhr. Die Polizistin drin regte sich tierisch auf, aber das habe ich nur am Rand mitgekriegt. Von der Heulerei hatte ich dann noch meine Kontaktlinsen verloren und irrte relativ blind durch die Straßen.

Irgendwann saß ich dann endlich – immer noch heulend und zu genau dem richtigen Lied – in  der S-Bahn. Jetzt endlich realisierte ich, was in den letzten Monaten passiert war, was ich getan hatte und wie sehr ich all das geworden war, was ich früher so gehasst hatte. Ich hatte all die Fehler gemacht, die ich nie machen wollte.

Ich kann nichts davon wirklich wieder gut machen. Aber an diesem Abend, in dieser S-Bahn, hatte ich wenigstens etwas verstanden. Wer ich sein will – und wer nicht.

12.2.09 00:29
 


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